Umwege erweitern die Ortskenntnis.
Kurt Tucholsky (1890–1935)
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Via Mondello in die Via Maqueda
Der gestrige Tag war ein Tag, wie ihn sich jeder Reisende wünscht: voller Sonne und guter Laune. Nach diversen Caffè Non Sospesi, kaufte ich mir ein Busticket nach Mondello, der palermitanischen Karibik, wie man hier ganz selbstbewusst sagt. Dort angekommen, stürzte ich mich für einen recht kurzen, aber kalten Moment in die Fluten (die Mitleidende, die mich mit ihrem Smartphone knipste, ist hiermit aufgefordert, dieses Foto an mich persönlich zu senden!). Ganz schnell bin ich wieder in meine Klamotten gestiegen und habe mir ein wunderbares Sonnenbad im Stabilimento Balneare Charleston gegönnt. Aufgrund der Bauweise, hat man den Strand vor sich und die Sonne im Gesicht, wundervoll.
Nach einem Spaziergang zum kleinen Fischerhafen, wo ein ortsansässiger Koch ganz viel wirklich frische Ware einkaufte und dabei von neugierigen Blicken verfolgt wurde, ging es im Bus zurück. Am Abend kamen Freunde zum Essen. Die Nürnberger Prozesse hatten zum Ergebnis die Variante Diavolo von Aglio, Olio e Peperoncino, auch zu empfehlen Elettroshock.
Der heutige Vormittag begann mit einem wundervollen Spaziergang in der Via Maqueda. Am Samstag fährt hier kein Auto. Sie ist die Hauptstraße zum Hauptbahnhof hin, normalerweise also ordentlich befahren! Dann ging es noch flott auf den Markt, Ballarò: 8 Artischocken für 2€! Mal sehen, was ich daraus machen werde.
Der Ball bleibt im Spiel!
ürokratie ist eine heikle Sache, aber nun scheint sich alles von selber zu ergeben. Die Konferenz mit dem DAAD heute Mittag hat gezeigt, dass Postbriefe auch ohne Postkutsche ihren Weg zum Empfänger finden. Der gestrige Abend aber war anstrengend, da von alledem, was ich nach Bonn habe senden lassen, nichts aber auch gar nichts angekommen war. Wenn Du nichts machen kannst, dann fühlst Du Dich auch so. Aber nun ist es vollbracht, die Unterlagen sind vollständig, Mannaggia!
Der Tag war ganz aufregend. Er begann mit dem Heizer – wichtiges Wohlfühlgerät bei anwesenden Wolken und anderen ungünstigen Merkmalen der Atmosphäre! Ich begab mich in die Fondazione Buttitta – wenn das mit dem DAAD nicht klappt, frage ich mal bei denen an, Rossella hat mir nämlich wieder unendlich viele Bücher, CDs und DVDs geschenkt, die scheinen im Geld zu schwimmen – war danach zum Mittagessen außerhalb der Altstadt bei einer Freundin von Herzen, Letiza Battaglia. Anschließend testete ich den Beruf als Lehrer aus: ich befand mich in der Chiesa Santa Chiara und gab Nachhilfe an drei Mädels, eines aus Tunesien, eines aus Vietnam und eines aus Ghana. Ich war gefordert: einem 8-jährigen Mädchen zu erklären, was ein dm ist, wie tatsächlich die Einheit Italiens zustande kam und, dass süd-östlich von Triest nicht alles mit dem blauen Filzer auszumalen ist, war nicht ohne.
“Dancing-Queen-Shoa-Show!”
Manchmal ist es nicht leicht, als Anthropologe inkognito zu ermitteln. Sofort erkennt dein Gegenüber, dein Begehr und entlarvt deine eigene Identität: Deutsch! Raùs, Austréten! Nun ja, eher zufällig betrat ich die Chiesa San Saverio (Nino hatte mir gesagt für die älteren Leute San Saverio, für die jüngeren Santa Chiara), luscherte zuvor durch den Briefschlitz des Hintereingangs auf der Suche nach Don Cosimo Scordato und da war er plötzlich, höchstpersönlich. Er erzählte mir von einem New Yorker Feldforscher in Palermo, worauf ich ihm erwiderte, dass ich mich qualitativ, nicht quantitativ dem Feld hingeben wolle. Ich solle doch mal mit Michela sprechen, die sei aber gerade busy, weil ein Performance-Stück mit Musik, Tanz, Theater aufgeführt werde. Ich fragte, wann denn? Ich sah niemanden, er sagte jetzt, sofort, um 6 Uhr! Ach, erwiderte ich, setzte mich in das Kirchenschiff, verfolgte die letzten Proben, sie endeten um 6.
Dann im selben Moment begann das große Spektakel, The great Director Ornacif (Anagramm eines etwas gewöhnlicheren Namens) bat die Gäste in sein Reich der Sound- und Lichtmaschinen. Während die Besucher die notdürftig erwärmte Kirche betraten (Bild), schallte Phillip Glas' Creation of the Cosmos durch die heilige Stätte. Das Stück behandelte die Shoa und versuchte das Thema auch der heutigen Jugend verständlich zu machen. Gott, wie kann es Dich geben, wenn Du so etwas zulässt. A. H. war etwas karikiert dargestellt und ähnelte eher einer Pink-Floyd-Adaption und hatte etwas aus Kubricks Figurenreich. Zwischenzeitlich, also immer dann, wenn der Maestro mit der Stille der Stätte spielte, hallten lästige Geräusche von draußen oder drinnen hinein, Motorino, Mobiltelefone, so was. Nun, eine Frau wird von einem Capo vergewaltigt, gebiert ein Kind: sie will es, sie will es nicht, sie will es. Dazu tanzt sie dann zu dem Stück The Show von Australia, Beeindruckend grotesk (die Recherche nach dem Stück hat keine Treffer ergeben). Ornacif spielt dann noch ein bisschen an seiner Soundanlage herum, Salven von Maschinengewehren donnern durch den Kirchensaal, ich zucke zusammen. Der Tanz ist ganz schön, die Live-Musik mit Michela, die aber nur drei- bis viermal erklingt ebenso, die Laiendarsteller ja gut, aber Ornacif kongenial. Ich musste unbedingt die Regieanweisungen erfragen, denn als noch Dancing Queen aus des Meisters Maschinen erklingen...
Ich gehe in mein Feld zurück und bestelle ein Bier. Ein Moretti, bitte! Groß? Gibt es ein kleines? No! E allora? Aber irgendwie charmant, es begann damit, dass ich sagte: Ich hätte gerne ein kleines Bier, das war vor einer Woche...
Santa Chiara: näher am Himmel?
Nun, am Nachmittag bewunderte ich den filigranen Baumschnitt, den die Palermitaner pflegen, können Bäume die Gicht haben? Nun denn, der gestrige Abend stand ganz im Zeichen der Erholung und der Vorbereitung auf das Treffen heute mit Prof. Dr. Giovanna Fiume und Don Giovanni D'Andrea. Wozu führte dieser Anspruch? Schlaflosigkeit, zum einen hervorgerufen durch WLAN-Probleme (gelöst, nach zweistündiger Nachtsitzung) und Katzenterror (unlösbar). Camillo wird immer mehr zum Peppone, zerstört meine frisch erworbene Bol, jault und kratzt herum, unerträglich!
Heute morgen bin ich also unausgeschlafen zu Don Giovanni, wo ich am Nachmittag meine erste ehrenamtliche Tätigkeit ausüben werde: Alphabetisieren! Ob diese ehrenamtliche Arbeit mir gestattet, den Turm zu erklimmen?! Später begab ich mich zu Giovanna, die wie immer - gar vor ihrem Computer - Sonnenbrille trug, mich herzlichst begrüßte und aufnahm: sie plant schon eine Art Kolloquium mit mir und anderen Doktoranden, wunderbar! Sie stellte mich dann noch einem Contemporatista vor (Zeitgeschichte: dass diese historischen Epochen im europäischen Sprachraum immer so unterschiedlich benannt und aufgefasst werden müssen, siehe Wikipedia). Mit Nino habe ich fast eine ganze Stunde gesprochen, er hat mir unendliche viele Tipps geben können, super. Heute Abend geht es mit Marta ins Istituto Cervantes, la pelicula: Un novio para Yasmina. Man überquere dazu die Via Roma, die in die Altstadt geschlagene Schneise, begebe sich in die so genannte Vucciria und da ist man, unweit der Taverna Azzura!
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Università
Spaziergang zur schönsten aller Universitäten, Ironie will verstanden werden. Auf dem Weg Moschee begutachtet, mich gefragt: es müsste doch auch ein Hamam geben, die gefühlte Temperatur (temperatura percepita) lag bei minus 1! Viale delle scienze und 7 Etagen der Geisteswissenschaften erkundet, ein würdiges Foto geschossen.
Drehte heute Vormittag auf der Piazza Ballarò drei Ghanaern, Edmond, Solomon und Shine je eine Zigarette, erzählte ihnen von den Bremer Stadtmusikanten, fragte Edmond: Is this Europe to you? No, this is Africa! Interview folgt. Gestern noch (Piazza Ballarò) Kleindealer kennengelernt. Während wir parlierten, schickte er seine Jünger aus, Handel zu treiben.
PS: Wer mir noch mal vorwirft, ich sei ein Küchennazi, dem stelle ich Massimo vor: für einen Risotto benötigt man einen Topf mit doppeltem Boden, eine Kaffeemaschine muss mindestens zehnmal benutzt worden sein, ehe der Kaffee schmeckt, Artischocken schält man so und nicht so, saluto il nazista in cucina!
Kultur ist die Kunst zu warten
Oder um es mit einem von Harald Schmidt Zitat aus Samuel Becketts "Aspettando Godot" zu umschreiben: "Und sie gebären rittlings über dem Grabe, es wird kurz hell und dann wieder Nacht. Für immer." Nun, ich will es nicht übertreiben mit diesem kleinen philosophischen Exkurs. Das Warten hat sich gelohnt, allerdings muss ich gestehen, dass ich schummelte, als ich den Text auf Englisch mitverfolgte, wozu smartphones alles taugen! Camillo hat sich an seinen neuen Lieblingsplatz begeben, ich weiß nicht, was in ihm vorgeht. Ich anders als Camillo habe nur sehr kurz gewartet, um meine neue Milchkaffeeschale einzuweihen. Geschmacklich eine Wucht... Der Tag kann kommen!



