La pasta deve passare in padella!

Spontaneität ist eine Tugend, die jeder Reisehalbleiter besitzen sollte. Was mich betrifft, kann ich, ohne rot zu werden, behaupten, diese für mich reklamieren zu können. Ich werde also gleich heute diesen unten aufgeführten Straßenschildern (sie befinden sich auf einem Weg von nicht einmal hundert Metern) folgen und mich spontan von dem Haus in der Piazzetta Meschita verabschieden, um für kurze Zeit Martas Gastfreundschaft zu genießen und spätestens am Sonntag in mein eigenes kleines Aprilreich in der Via Porta di Castro zu ziehen. Inzwischen bin ich nicht nur ein Meister der Spontaneität, sondern auch Experte für Umzüge jeder Art, Sicilia e Continente, wie man hier sagt. Soviel zum Verständnis, dass Sizilien eine Insel ist oder richtigerweise keine Insel, sondern ein Mini-Kontinent, da im Zentrum der Insel kein maritimes Klima herrscht. Ich werde also meinen großen Topf mit Gewürzen, Kaffee, italienischen Teigwaren und bestem Olivenöl befüllen, um diesen dann nicht auf den Herd zu stellen, sondern mit ihm einen kleinen Spaziergang ins Ballarò machen. Dort parke ich ihn dann in einer hoffentlich vorhandenen Lücke, um ihn dann am Sonntag zu leeren und zu nutzen. Mit einer ordentlichen Spaghettata werde ich die Ballarooms, das Aprilreich, einweihen. Wichtig: Pro hundert Gramm Pasta ein Liter Wasser, das ist die goldene Regel. Und noch wichtiger: Die Pasta muss durch die Pfanne, mit der Soße vermengt werden und kurz in ihr ziehen, damit die Pasta nicht nur nach Hartweizen und Salz schmeckt. La pasta deve passare in padella!

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Der zweite Blick

Der Tag begann mit der Suche nach einer Bar, die einerseits über eine Außenbestuhlung verfügt und andererseits von der Sonne heimgesucht wird. Zu jeder Tageszeit sind dies in Palermo unterschiedliche Orte. In den Hauptstraßen stehen die Häuser hoch, auf den Märkten werden die frischen Waren mit Planen und Schirmen vor der Sonne geschützt. Gegen 10 Uhr empfiehlt sich jenseits der Via Roma auf der Piazza Rivoluzione eine kleine Bar, wo ich ungestört Heimarbeiten verrichten und mich gleichzeitig sonnen konnte. Allerdings machte sich der Verkehr unangenehm bemerkbar, man könnte ironischerweise sagen, dass der Verkehr ruhig wäre, wenn sich nicht immer Fußgänger oder falsch parkende Autos ihm in den Weg stellten. Da im Prinzip ständig ein Auto links oder rechts die Warnblinker aktiviert oder irgendwer ein völlig absurdes Wendemanöver vollzieht und die Fußgänger gezwungen sind, die Straße zu nutzen, ist das Resultat: Die Hupe, das Hupen an sich.

Bei der Unternehmung, einen zweiten Blick auf den vermeintlichen Fiat Cinquecento zu werfen, traf ich Giuseppe, der mir sagte, ja (der Wagen stand wieder an seinem Platz, war vorher in der Garage, um dort noch ein- bis viermal geschliffen zu werden), das ist ein Cinquecento. Während wir so sprachen, fragte ich ihn, was denn das eigentlich für ein Lärm sei, der aus der Garage kam. Er reagierte etwas empört und führte mich in die Konfektfabrik Cillari, ich war mal wieder beeindruckt, hatte plötzlich eine Handvoll Bonbons in den Händen, knipste ein wenig herum und begab mich in die Garage nebenan, wo man mir sagte, dass wenn ich ein Foto machte, das Geld kostete. Ich sagte: Ich interessiere mich für den Cinquecento! Ach, Sie lieben historische Autos? Ja, aber ich habe weder Geld und sowieso nur einen kolumbianischen Führerschein, der nichts nutzt! Er faselte was von Drogen und ich drückte ihm einen Bonscher in die Hand: Cocaina? Wir lachten inniglich. Aber ja, das ist ein Cinquecento, sagte er noch, als ich mich aufmachte, ein Fläschchen Wasser zu besorgen: Zucker spülen.

Am Mittag, Schlag zwölf, schwang ich mich auf den Rücken meiner Graziella, um Beweisfotos der Erklimmung des Monte Pellegrino zu schießen. Dafür nutzte ich meine Kleinbildkamera, die größere Fotos machte. Ich erklomm also ein zweites Mal das palermitanische Blockland, wobei es sich eher um einen Block als um ein Land handelt, und schwitzte ordentlich. Wenn mein Tachometer von meinem Vorbesitzer korrekt kalibriert wurde, war die Maximalgeschwindigkeit achtundvierzig Km/h, bergab versteht sich, gefühlt allerdings eher sechzig bis siebzig. Als Fischkopf fehlt mir allerdings die Erfahrung, um dies richtig abzuschätzen. Ich werde es prüfen!

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Esel am Himmel

„Ein Esel fliegt am Himmel, ihm folgen drei Affen!“ Mit diesem Satz erläuterte Maria, die Lehrerin für Fortgeschrittene im Santa Chiara, den Ursprung der Bedeutung einer Diktatur. Wenn sie als Lehrerin ein Diktat vorträgt, müssen die Schüler, auch wenn es sich um den größten Unfug handelt, dieses niederschreiben. Was derzeit in Libyen passiert, betrifft auch Sizilien, denn so sagte mir beispielsweise Davi aus Lille, dass sein Ryanair-Abflughafen nach Brüssel von Trapani nach Palermo verlegt wurde, da der Flughafen Trapani, genauer Birgi, von der US-Air Force genutzt wird, um von dort Angriffe gegen Gaddafi zu fliegen. Ob die Flüge sogar gestrichen werden, bleibt abzuwarten. Maria, die im Unterricht eine elektronische Zigarette, wie sie dieses Objekt umschrieb, rauchte, hat sogar Angst vor einer weiteren Eskalation der Ereignisse. Gestern, als mir Edmond gestand gar keinen Hunger zu haben, erlebte ich, wie eine Gruppe von zwanzig Ghanaern jene Ereignisse diskutierten. Edmond klärte mich auf, worüber so heiß debattiert wurde, denn sie sprachen Akan, eine Sprache, die ich nicht beherrsche. Über dieses Thema diskutierende Italiener traf ich nicht.

Am Morgen war ich als Radiojournalist aktiv, genehmigte mir ein Sonnenbad auf einem der Algida-Stühle, in Deutschland wären es Langnese-Stühle, genehmigte mir einen Happen im Rosa Nero. Danach musste ich etwas ruhen. Der Kaktus bedeutet Heimarbeit. Am Nachmittag begab ich mich in die Schule im Santa Chiara und entschied mich, mal bei den Fortgeschrittenen reinzuschnuppern. Das war sehr amüsant, man versicherte mir allerdings, dass das nicht immer so abläuft. Sandrina hatte Geburtstag und spendierte Torte und Sekt. Man sang die italienische Nationalhymne, die marokkanische, die afghanische, ja und dann auch die deutsche, so weit ich sie beherrschte. Mehr spaßeshalber, wie man sich vorstellen kann. Sie erläuterte die unterschiedlichen politischen Systeme, die Gewaltenteilung und spottete über die politischen Verhältnisse in Italien. Der Marokkaner erzählte, was Al Jazeera berichtete und, was Teheran zum Eingriff des Westens meint sagen zu müssen. Bei meinem Sonnenbad am Mittag sah ich keine Esel am Himmel. Ich hoffe, das bleibt so.

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