Berlin, Falckensteinstraße

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Osterei: Ton: Hörprobe

YouTube Preview Image

Als ein kleines Osterei – zur Wiederbelebung dieser Seite – das kleine Video (Ton und Foto)

Beatboxing in Bremen, nachts 01:26 Uhr

Jan und Guido produzieren mit Lippen, Luft und allem, was der menschliche Körper oberhalb des Herzens zur Sounderzeugung zur Verfügung hat einen sehr schönen Sound (ich hoffe, das ist eine charmante und gleichzeitig richtige Definition des so genannten Beatboxing). So hell wie in dem Video war es natürlich um 01:26 Uhr nicht. Die Bühne wurde erst am Nachmittag durch die unerwartete Sonne erleuchtet, am Abend glänzten Jan und Guido. Einziges Instrument: zwei Münder.

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Die Idee dieser Seite

In Seitenstraßen trifft man Menschen aus Zwischenwelten. Wer sein Aufnahmegerät auch zu ungewöhnlichen Zeiten mit sich führt, offen für das Neue ist und den Drang hat, Geschichten zu erzählen, versucht eine Schnittstelle zwischen einem lebendigen Blog und professionellem Journalismus zu schaffen.

In Zukunft, das ist mein Wunsch, mögen kleine Audio- oder O-Ton-Einspielungen, der Text und die Fotos dieser Seite das Tor zur Produktion von neuen Radiofeatures und Reportagen darstellen.

Wie der physikalische Halbleiter, dem es gelingt mit wenigen Milliampere ein Vielfaches an Strom zu beeinflussen – ob er fließt oder nicht.

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Ton: Broadcast

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zum Textbeitrag Deutschlandfunk

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Ton: Braodcast

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zu Nordwestradio

 

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Für jene, die dieses Projekt mitverfolgten

Feature: Projektexposé

Arbeitstitel:

Ballarò: Marktplatz der Kulturen –

Kulturelle Vielfalt zwischen Ankunft und Aufbruch am Rande Europas

Ballarò ist ein historischer Markt arabischen Ursprungs inmitten der Altstadt von Palermo; ein Bazar, der sich über hunderte von Metern durch die Altstadt von Palermo schlängelt; eng, bewegt, laut und unübersichtlich. Zentral gelegen zwischen barocken Kirchen und dem Grabmal Friedrichs II. mündet er in die Piazza Ballarò. Die Piazza ist der zentrale Ort der Zusammenkunft, fern moderner Arbeitsstrukturen. Marktgeschrei und hupende Mofas dominieren das Klangbild. Doch das Ohr ahnt schon, dass sich hinter diesem Klangteppich mehr verbirgt als das Anpreisen von riesigen Thunfischen, Artischocken, Orangen, Tomaten, Muscheln, Schnecken, Töpfen, CD-Rohlingen, Flip Flops, Innereien, Schafsköpfen, Schweinehaxen und dem Hupen der sich durch die Menschenmenge drängenden Vespas: Hier geht es ums Über- aber auch ums Zusammenleben von Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen. Am Rande Europas ist der Ballarò ein Ort des Übergangs von arm zu reich, eine Welt zwischen Peripherie und Zentrum, transkulturell, interkulturell und multikulturell zugleich. Ein Ort zwischen Ankunft und erneutem Aufbruch in eine modernere Welt.

Die Gesichter der Menschen sind vom Alltag gezeichnet; sowohl die der Palermitaner als auch die der Migranten aus aller Herren Länder. In den unzähligen Sprachen dieser Welt erzählen sie von Flucht und Migration, von Armut und Schwermut, von Freude und Lebensglück, von Angst und Gleichmut. Hier, wo Kreuzfahrttouristen neugierig gucken, wo Individualtouristen sogar kaufen, blüht der sizilianische Stolz, der gefühlt alle Fremdeinflüsse, weil aufgesogen, überlebt hat.

Bei einer ethnographischen Feldforschung von Februar 2011 bis Juli 2011, sowie weiteren Aufenthalten vor Ort, bin ich auf Stimmenfang gegangen, um die Fragmente dieser Polyphonie aufzuspüren und einzufangen.

Mit der Collage-Technik soll nun aus diesen Fragmenten das Mosaik einer spezifisch mediterranen Kultur des Kontakts und des Übergangs zusammengesetzt werden. Das Mörtelbett – der Kitt, der dieses Mosaik zusammenhält – wird aus den Beobachtungen und Raumbeschreibungen der teilnehmenden Beobachtung zusammengemischt. Auf eine Metaebene (O-Töne von externen Experten) will ich nach Möglichkeit verzichten und nur die Menschen zu Wort kommen lassen, die mit der oben beschriebenen Realität unmittelbar verbunden sind.

Das sind nicht nur Menschen aus Tunesien, die schon über dreißig Jahre in Palermo leben und durchaus wissen, wie sie sich arrangieren; Migranten von Mauritius, die als Haushaltshilfe arbeiten und das sich vom Mund abgesparte Geld nach Hause schicken; Ghanaer, die am Morgen die Piazza gegen Kost und Logis reinigen oder für die afrikanische Community in Bretterverschlägen kochen; ein deutscher Musiker, der das Chaos liebt; Südamerikaner, die davon überzeugt sind, dass schon Jesus migrierte, sondern auch Menschen, die sich für das Gemeinwohl des Viertels engagieren.

Don Giovanni D’Andrea, der in der Gemeinde Santa Chiara gleich um die Ecke den Nigerianern den Raum zum Fußball- oder Damespielen zur Verfügung stellt und es jeder Glaubensgemeinschaft ermöglicht, ihren Glauben in den Räumlichkeiten der Gemeinde auch auszuleben. Oder Maria die Sprachlehrerin, die nicht nur geduldig auf Migranten eingeht, sondern auch den bildungsfernen Italienern das Alphabet erklärt und dabei ganz spannende Beobachtungen macht. Nicht zu vergessen junge akademische Sizilianer, die mit sehr viel Engagement Bürgerrechte und –pflichten vermitteln. Oder der junge Kneipenbesitzer, der mit seiner internationalen Musikauswahl die Piazza in eine Open-Air-Disko verwandelt und der dem Ghanaer, der danach die Piazza für ihn reinigt, sogar zusätzlich etwas Geld gibt.

Bis hin zur altehrwürdigen Signora Maria, die alle nur die Mutter vom Ballarò nennen und die als Vermittlerin zwischen den Menschen unterschiedlichsten Ursprungs von allen respektiert wird.

Oder aber auch Massimo, der gebürtige Römer, der in diesem heillosen Durcheinander der Transvestit vom Ballarò ist und die Kultur des Viertels auf seinen Nenner bringt: „Palermo ist ein Bastard, so wie ich.“

Am Anfang aber steht der Markt als Klangteppich, als „Marktplatz der Kulturen“. Er ist nicht frei von Konflikten: unterschwelliger Rassismus, Alkoholprobleme, Gewalt, Drogen, Armut. Im Gesamtbild aber ist dieser Ort als kulturelle Kontaktzone nicht nur ein Raum kultureller Differenz, sondern auch kultureller Annäherung; einem Brennglas mediterraner Kulturgeschichte gleich.

Oder um es mit den Worten von Gino auszudrücken: „Der Ballarò ist wie unsere Streitkultur, erst streiten und prügeln wir uns, dann aber trinken wir gemeinsam ein Bier. Zahlen musst aber Du!“

Bremen, den 2.4.2012

Ballarò ist auch ein Flohmarkt…

Das wird ein spannendes Feature.

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Xoxo, der entwurzelte Baum

„Du hast da Schokolade im Gesicht“, hörte ich und erwiderte zu meinem Erstaunen: „Das ist keine Schokolade, das ist Xoxo“ und wischte mir durchs Gesicht. „Wie?“ „Naja, die neuen EU-Richtlinien halt!“ Nur mit äußerster Konzentration gelang es mir, ernst zu bleiben. Wirkungsvoll nippte ich an meinem Kaffee, um die letzten Reste meines sogenannten Xoxo-Croissants zu spülen.

„Wenn Schokolade nicht genug Kakao beinhaltet, darf man es nicht mehr Schokolade nennen“ hatte der Bäckersgeselle, der in Wirklichkeit natürlich nur ein Bäckereiverkäufer war, erklärt. Die süße Xoxo-Masse verlangte mehr ungesüßten Kaffee, da sie fast ausschließlich aus Zucker bestand. Wie die dunkle, für Schokolade typische Farbe in die Masse kam, weiß wohl nur der Bäckersgeselle.

Die Bäckerei Degenhardt oder wie auch immer sie heißt betreibt auf der Flaniermeile des Horrors, in der sogenannten Bürgermeister-Smidt-Straße in Bremerhaven drei Filialen. Auf einer Strecke von gefühlt sieben Meilen, real aber nur knapp einem Kilometer, fährt jeden Morgen der Lieferwagen der Bäckerei Engelsdocht seine Tour. Die Zeiten, in denen der Bäckersgeselle noch selbst Hand anlegte, sind unwiderruflich vorbei. Das industriell hergestellte Brot wird nur noch aufgebacken. Der Zauber oder besser die Illusion, dass Backwaren noch etwas mit dem heute so exotisch anmutendem weißen Pulver zu tun haben, aus und vorbei.

Backwaren bestehen aus Masse und Mischung. Was in so einer Mischung steckt, das bleibt ein Mysterium. Das Mehl jedenfalls hat sich eine andere Brutstätte gesucht: Vegetarier-Knacker. Das ist keineswegs ein alter Knacker, der kein Fleisch isst, sondern eine Wurst, die damit wirbt, einerseits knackig – was ganz und gar nicht der Fall ist – und andererseits sowas wie ein Sojawürstchen zu sein, armes Würstchen du!

Die Lektüre der Zutatenliste zeigt an erster Stelle Soja, das bedeutet der Anteil von Soja ist der größte Anteil. Erstaunlich aber ist die Tatsache, dass es nur 14 % sind. Wie das arme Würstchen ganz wird, also nicht bei einer Daseinsform von nur 65 Prozent stagniert, muss mit dem Mehl zu tun haben.

Früher gab es Linguisten, die am Beispiel des Baums zum Ausdruck brachten, was das Wort Baum mit dem Ding Baum zu tun hat. Heute knacken wir die Wurst und beißen in ein Xoxo-Croissant und ganz fern liegt das Wesen des Dings. Wir sehen keinen Baum, wissen aber dass der Baum gemein ist, obwohl es gar keiner ist. Wenn das kein Post-Xoxismus ist. Ferdinand de Saussure, ein munteres Xoxo auf Sie. Den Wortschöpfer von Xoxo hingegen belegen wir mit einem elenden, langewährenden Klumpti, du gemeines Wesen du. Böse, wenn man uns die Sprache nimmt, das letzte, was uns noch blieb.

PS: Beweisfoto nur auf Anfrage…

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Ballarò an einem Sonntag

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Nahverkehr verquer

Der Frühbucher kommt von Kiel nach Köln für gut zwanzig Euro. Wer sich hingegen mal eben in den Zug setzen will, versteht was gemeint ist mit „Nahverkehr verquer“. Der Düden, wie die Titanic zur Zeit der Rechtschreibreform das bekannte Nachschlagewerk nannte, kommt nüchtern daher: „schräg, schief, quer und nicht richtig, nicht wie es sein sollte“ ist da zu lesen. Nahverkehr ist demnach, könnte man sagen, zu teuer, dauert zu lange und führt zu einer gewissen Form von Frust: Wie schön ist doch die Reise in einem exklusiven Schnellzug, der nicht Express, genauer Regionalexpress, sondern Intercity oder Intercity-Express heißt und schlappe zwanzig Euro kostet, von Kiel nach Köln. Genauso viel wie eine Fahrt von Kiel nach Hamburg im Regional-Express, tja, verquer.

Das ist die eine Definition im Düden, klingt moralisch; das muss hier nicht sein. Die andere lautet: „in etwas seltsamer Weise vom Üblichen abweichend, absonderlich, merkwürdig“. Nach dieser Definition kann so eine Reise in einem Nahverkehrszug alles andere als frustrierend sein. Wenn wir noch die Synonyme des Düdens strapazieren – im Ansatz schon mit den Definitionen schräg oder schief angedeutet – wird dem Nahverquersteilnehmer klar was passieren kann: „absonderlich, eigenartig, eigentümlich, kauzig, kurios, merkwürdig, paradox, quer, schief, wunderlich“ steht da geschrieben. Auf eine verquere Fahrt!

Beginnen wir beim Lösen der Fahrkarte. Um der Bahn ein Schnippchen zu schlagen begibt sich der preisbewusst Reisende nicht direkt an den Bahnschalter. Stattdessen lümmelt er oder sie vor einem der Fahrkartenautomaten herum und wartet auf die Frage: Hamburg? Ab Kiel ist das eine rhetorische Frage, andere Ziele gibt es nicht. Zwei junge Deutsch-Türken ergänzen: kostet 10 Euro! Für gewöhnlich zahlt der auf einem Länderticket Mitfahrende acht Euro. „Das lohnt nicht, Alter! Ja, gut, wenn wir noch andere finden, wird das billiger. In einer viertel Stunde im Raucherbereich!“ Dass es inzwischen selbsternannte Profis gibt, die tagtäglich auf einer Strecke hin- und herfahren, weiß der Länderticket-Hitchhiker spätestens seit einem Telefonat des Ticketinhabers: „Ich kann gerade nicht, bin am arbeiten, Mann!“

Eine viertel Stunde später erscheinen die beiden Jungs im Raucherbereich. Im Schlepptau haben sie vier weitere Personen. Das ist eine zu viel. Da weder der eine noch der andere Lust hat sich am Abend in den Zug zu setzen, um später nach Kiel zurückzufahren, ändern sie ihren Plan: „Kauft Ihr Ticket?!“ Da keiner von uns Fünfen den Nachnamen des vorherigen Ticketinhabers trägt – so zumindest unsere naheliegende Vermutung – bilden wir spontan eine eigene Gruppe und haben so weniger als acht Euro zu zahlen. Danke. Eine Mitfahrerin wirft ein: Im Prinzip müßten wir den beiden eine Provision zahlen. Die beiden Tagelöhner haben aber längst ihren Job an den Nagel gehängt und ziehen davon.

Hamburg, Gleis vierzehn, der Luxus-Zug aus Kiel fährt ein, nach kurzem Aufenthalt geht es direkt nach Köln. Raucherpause denkt sich eine Frau. Da fährt der Zug schon ab. Die Frau realisiert ihre Situation: Sie nur mit einem Pullover bekleidet, mit Zigarette in der Hand, nicht in dem Zug, der sie nach Köln bringt. Verzweifelt rennt sie zu der vom Schaffner noch geöffneten Türe und brüllt nach ihrem Mann: Ronny!!!! Mit allen Kräften läuft sie fünfzig Meter mit dem Zug, der schon zu schnell ist. Ronny!!! Brüllt sie mit letzter Verzweiflung, Rooooonnnnnyyyy! Zug weg, kaum Kleidung an, aber Zeit zu rauchen…

Weiterfahrt von Hamburg nach Bremen: Das Bremer Semesterticket erlaubt die preiswerte Nahverkehrsfahrt ohne weitere Tricks. Gegenüber, in einem der Viererabteile sitzen Mann und Frau und teilen sich billige Schokoriegel gerecht auf. Aus der Handtasche, die der Mann neben sich platziert hat, schaut plötzlich ein glubschäugiges Wesen hervor: ein Hund! Die Frau findet das so drollig, dass sie den Fotoapparat verlangt: Naa, sagt der Mann mit österreichischem Akzent, der muss jetzt schlafen, küßt und knuddelt die mir unbekannte Rasse zurück in die Mopstransporttasche und verschließt den mit unsichtbaren Luftkammern versehenen Beutel, Hund weg. Der inzwischen alkoholfreie Pendlerzug, Metronom genannt, schleicht in Richtung Bremen, die Passagiere spielen an diversen Gerätschaften herum und vertreiben sich die Zeit, alles ist ruhig. „Die Fahrscheine, bitte!“ bellt die Schaffnerin. Womit sie nicht gerechnet hat: Die Tasche bellt zurück! Einem Herzinfarkt nahe zuckt sie zurück, schüttelt sich vor Aufregung und macht sich davon. Die frische Luft bei dem nächsten Zwischenstopp wird ihr guttun.

„Passen Sie auf, dass Ihre Tragetasche nicht eines Tages abhaut!“ kichert der Reisehalbleiter. An der Bushaltestelle in Bremen sehe ich noch wie die Hunde diverser Punks einem Mann mit einer Tragetasche hinterher bellen. Naaverquer, diese Ösis.

In diesem Sinne wünscht der Reisehalbleiter eine gute Fahrt ins nächste Jahr: Guten Rutsch!

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Lieber Reisehalbleser!

Danke für den Hinweis, dass es technische Probleme auf dieser Seite gibt. Ich habe nochmal alle Funktionen getestet und muss mich fragen, ja, wo ist der Text, wo ist er geblieben? Da das Doktorandenkolloquium „Textualität des Films“ bei mir schon in Vergessenheit geraten ist, verzichtet der Autor dieser Zeilen darauf zu sagen: Bild ist doch Text. Die Recherche nach der Ursache der Fehlermeldung „Kein Text“ oder auch „wenig Text“ hat Folgendes ergeben:

Kreativzentrum funktioniert nur bedingt.

Tatsächlich ist der Reisehalbleiter damit beschäftigt, eine kleine Umgestaltung auf diesen Seiten vorzunehmen. Neu wird sein, dass der Blog in Zukunft nicht mehr Blog heißt, auch wenn es, technisch gesehen, noch immer ein Blog ist. Gerne hätte ich den Blog in Weblogbuch oder auch Logbuch umbenannt, das erinnert an navigieren auf den Weltmeeren, wie schön – das Navigieren auf den Weltmeeren. Es erklärt gleichzeitig die Wortherkunft von „Blog“. Da mir aber ein anderes Wort viel besser gefällt, wird der Text, der bald in aller Regelmäßigkeit verfasst und auch publiziert wird, in Zukunft Kolumne heißen.

Ach, welch schönes Wort – Kolumne. Das erinnert an Zeiten, in denen wohl ausgewählte Autoren dazu eingeladen waren, wöchentlich einen Text zu verfassen. Eine Kolumne schreiben, das klingt nach Handwerk, nach Verstand. Da denkt man an die Freitage zurück als Wiglaf Droste noch in der taz gekonnt seine Nadelstiche platzierte.

Damit will der Reisehalbleiter nicht sagen, er sei womöglich ausgewählt oder auserwählt, nein, im Gegenteil. Grund für die Hinwendung zu diesem schönen Begriff „Kolumne“ ist unter anderem die Auseinandersetzung mit den heutigen Phänomenen der sozialen Medien, wobei, wenn man sich vergegenwärtigt, wozu diese dienen, der Begriff asoziale Medien viel treffender wäre. Wem genügt es zur Kontaktaufnahme mit einem ihm oder einer ihr wichtigen Person ein kleines Bildchen zu sehen und einen kleinen wirren Satz zu studieren. Freundschaft ist individuell, das Gesichtsbuch hingegen ein Bayernzelt, in dem viel geguckt, wenig gesagt und umso mehr gequakt wird.

Die Netzwelt gibt jedem eine Stimme, der sich den Zugang leisten kann. Jeder kann schreiben. Jeder erhält einen Freifahrtschein, seinen persönlichen Schreibstil zu prägen und zu pflegen, aber lesen kann man das nicht immer.

Die Kolumne, genauer die Reisehalbleiter-Kolumne, soll in Zukunft einen literarischen Anspruch haben, der über „gefällt mir“, „muss ich nicht haben“, oder auch „hier bin ich“ hinausgeht. Der Reisehalbleiter gibt sein Bestes. Keine halben Sachen, volle Kraft voraus.

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