Synthonie von Natur und Kultur: Vino

Posted in Allgemein | Tagged | Kommentare deaktiviert

Tour ohne Text

 

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

Vier Jahreszeiten

Eine Australierin sitzt neben ihrem Mountainbike und stärkt sich mit einem panino. Die Vaude-Fahrradtaschen und das emanzipierte Aussehen lassen den Graziellisten vermuten, die Gute sei eine deutsche Extremsportlerin. Das einzig deutsche an ihr sind jedoch ihre Vorfahren. Die stammen, wie sie sagt, aus Dänemark, Schleswig-Holstein. Ja, richtig, heute ist das Deutschland. Mit den Preußen hat sie jedoch nichts am Hut. Wir plaudern ein wenig über die Besonderheiten der sizilianischen Verkehrsbeschilderung. Permanent gibt es Hinweise, welchen Weg der sich langsam fortbewegende ciclista einzuschlagen hat. Wenn es allerdings um die Wurst geht, sprich eine Weggabelung vor einem liegt, ist plötzlich jedes Verkehrsschild verschwunden. Was bleibt ist die männlich-weibliche Intuition.

Mit ihrem körperlichen Zustand ist sie gar nicht zufrieden. I’m getting old. The bicycle is prepared, but me? It might be a psychological thing. I have my hard disc with me… it’s all too heavy. Und dieses sonderbare Wetter. Man weiß gar nicht, welche Jahreszeit ist, keine Ahnung, was ich anziehen soll. Der Reisehalbleiter, dem man sagte, dass seit circa vier bis fünf Jahren das Wetter nicht mehr stabil ist, wie noch die vierzig Jahre zuvor, trägt seine berühmte Regenjacke im Stile einer Tischdecke, blau weiß kariert. In diesen vierzig Jahren kam nach dem Winter der Frühling und spätestens Ende Mai war Sommer. Nun ist das anders, instabile. Bevor wir uns eine gute Weiterfahrt wünschen, macht der Deutsch-Sikuler noch einen Witz: Vivaldi would have had some problems with that weather…

Posted in Allgemein | Tagged | Kommentare deaktiviert

La domenica in piazza

Der Sonntag ist ein besonderer Tag, man trifft sich in piazza. Ob jung, ob alt, alle tummeln sich um den zentralen Platz im Herzen von Caltagirone, der Stadt der Keramik. Der Sonntag gehört dem ursprünglich griechischen Phänomen der Agora, dem Platz, der dem Austausch von Neuigkeiten, politischen Debatten, Einschätzungen, ob die Welt nun rund ist oder, ob es sich doch lohnt Begebenheiten der Gegenwart oder der Vergangenheit zu diskutieren. Die sich einfinden unterscheiden sich nach Herkunft (Touristen, Reisehalbleiter oder Einheimische), nach Alter (Kind, Papa oder Opa), nach introvertiert oder extrovertiert (am  Rande sitzend still und leise oder mittendrin, laut und fordernd), nach Standeszugehörigkeit (Student oder Würdenträger). Kurz: bunt, aber nicht Ballarò.

Frühaufsteher sind schon mit dem Aperitif beschäftigt, das Mittagsmahl wartet schon. Spätaufsteher müssen sich erst an das grelle Licht und den Wind gewöhnen, trinken ihren Caffè. Mindestens drei Bars befinden sich an einer solchen Piazza, die eine ist alteingesessen, die andere modern, die dritte bietet neben diversen Getränken auch kleine süße Gebäckteilchen zum Mitnehmen an. Cannoli oder sonstige zuckersüße Sünden, in klein oder groß. Der Erwerb der nachmittäglichen Törtchen ist in die Tradition der Agora integriert. Auch wenn die Welt bloß rund ist und die ewigen Diskussionen eh zu nichts führen, der „Agorist“ kommt wenigstens nicht mit leeren Händen nach Hause.

Gestern konnte der Besucher eines Tabakwarengeschäfts im auch auf einem Gipfel gelegenen Mineo ein arabisches Hinweisschild studieren. Der Fremde schaut sich um und sieht nicht einen, der dieser Sprache mächtig ist. Che significa? fragt er den Tabakwarenverkäufer. Naa, das ist für die Araber, damit die sich benehmen, wenn sie hier reinkommen. Wo die herkommen? Aus dem Tal! Im Orange-Village leben derzeit zweitausend Asylsuchende. Vorher war das Orange-Village eine US-Army-Basis.

Caltagirone wurde im 9. Jahrhundert von den Arabern gegründet. Sie errichteten eine  Festung und nannten sie Qalat-al-Ghiran (Burg über den Höhlen). Ob die auch solche Hinweisschilder aushängten? Sikuler, benehmt Euch, stellt Euch in eine Schlange und macht nicht so einen elenden Lärm, hier geht es gesittet zu… in piazza.

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

E tu? Non hai mai zappato?

Nein, nicht Frank Zappa, sondern Luc Zappa! Auf die Frage, ob der Reisehalbleiter je in seinem Leben ein Beet gehackt habe, musste dieser in sich gehen, um schließlich zu antworten: No! È la prima volta! Flugs recherchiert der Autor dieser Zeilen, ob der Grund der Zappanale tatsächlich Zappa heißt oder, ob diese Ikone in Anlehnung seiner sizilianischen Vergangenheit in einer Art Reminiszenz und Witz sich diesen Künstlernamen gab. Die Vorfahren müssen aber wohl derartige Terroni - Süditaliener werden im Allgemeinen Erdköpfe, während die Norditaliener im Gegenzug Polentafresser genannt werden, wobei sowohl die Sizilianer Polenta futtern und auch der Milanese sein Land bearbeitet - gewesen sein, dass die täglichen Landarbeiten in den Familiennamen übergegangen sind. Die Erfahrung dieser mehrstündigen Arbeit des Hackens lässt mich die Bewusstseinslage Zappas verstehen.

Der Job: also die nimmst die Hacke, ziehst die Erde an dich heran, weiter, weiter und errichtest einen kleinen Hügel um das Tomatenpflänzchen herum. Auf diese Weise stärkst du die Pflanze, in dem du ihr mehr Halt und frische Erde gibst. Das Unkraut musst du natürlich entfernen. Nun gut. Nach circa einer Stunde erinnert sich der Anthropologe an seine Frage vom frühen Morgen: Wo sind denn eigentlich die Handschuhe? Im Auto! Wie schön. Drei Blasen sind Bremer Recht. Drei Blasen müssen aber auch reichen. Zunächst kämpfe ich mich durch den Acker und erinnere mich an die Bandarbeit bei Daimler. Pippo ruft: in campagna non si corre.  Auf dem Land rennt man nicht, die Arbeit muss nicht erledigt werden, sie muss gut gemacht werden. Erst als wir über Gewächse holländischer Provenienz sprechen und Pippo sagt: Ormai la gente si è abituata a mangiare la plastica, desidera la plastica. Da der deutsch-sikulische Hacker nicht wünscht, dass man in einer Woche sieht, wo der Daimler-Vorarbeiter sein Unwesen trieb, besinnt er sich. Es entsteht die Liebe zum Gewächs. Behutsam streichelt er jedes Pflänzchen, sieht nicht mehr das große Tomatenfeld in seiner Gänze, sondern jedes einzelne Prachtexemplar. Der Blick verändert sich. Der Berg Arbeit ist verschwunden, es entsteht ein kleiner Hügel nach dem anderen. Am Ende steht da, wo Luc Zappa wirkte, ein Wall. Schön. Ende Juni wird geerntet. Die Tomaten verkauft Pippo nicht gerade geerntet, nein, man muss die Ware raffinieren, sonst ist sie nichts wert. Sie werden getrocknet. Ein Teil bekommt Emilio, der sie zu Tomatenmark und Passata die pomodoro, verarbeitet. Die Arbeit ist Gold wert. Pomodoro: der Goldapfel.

Bevor wir die Campagna verlassen, knabbern wir grüne Kichererbsen, Weizen, Erbsen, ernten Möhren, lecker direkt aus der Erde in den Rachen, Erdbeeren. Der Fotograf nimmt sein kleines Möhrenfarbene Messerchen zu Hilfe, präpariert sich ein Frühlingszwiebelchen, beißt hinein. Hmm, pikant! Aber das ist ja gar keine Zwiebel, das ist ja Knoblauch! In bester deutscher Manier, ein Mal den Weg eingeschlagen, muss es zu Ende gebracht werden, futtere ich den Knoblauch, grün und frisch. Uiuiui, Frank, gib mir mal ne Möhre! Und Johnny, please!!! Take off those terrible bluejeans!

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

E tu? Non hai mai zappato?

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

Ballarò: dice Maria, Part I

„Ich bin Lehrerin hier, unterrichte an der Abendschule zur Erlangung der mittleren Reife.  Wir gehören zu einer staatlichen Schule mit dem Namen Friedrich II. , sind hier zu Gast im Santa Chiara, einer Pfarrkirche, in der unterschiedliche Aktivitäten wie Hausaufgabenhilfe, Kinderbetreuung oder Leibesübungen angeboten werden, Tätigkeiten, die vornehmlich der Integration dienen. Ich unterrichte hier seit 2007. Ich sage immer: was ich hier gelehrt habe ist weniger, als das, was ich hier gelernt habe. Santa Chiara ist ein Ort, ein Kreuzungspunkt von vielen, vielen Menschen, wir sind schließlich hier im Ballarò. Ballarò ist ein sehr populäres, außergewöhnliches Viertel in Palermo. Gleichzeitig ist die Dichte der Migranten sehr, sehr hoch. In unserer Schule treffen Menschen aus dem Viertel, also solche, die hier schon lange leben, die hierher kommen, da sie die mittlere Reife benötigen, weil sie ein Geschäft eröffnen oder den Führerschein machen wollen. Und dazu kommen Menschen aus aller Herren Länder, unterschiedlichster Bildungsgrade, Studierte aber auch Analphabeten. Als Lehrerin ist das eine ganz besondere, sehr schöne Erfahrung. Ein Studierter kommt hierher, um Italienisch zu lernen, aber ich lerne von denen, auch von den Analphabeten einen Haufen Dinge. Sie erzählen mir von ihren Ländern, erklären mir ihre Situation. Ich habe zwar den Concorso Italienisch, Geschichte und Geographie gewonnen, die wirkliche Geographie lerne ich aber, glaube ich, erst hier. Die Geschichten, die mir meine Schüler erzählen sind etwas ganz anderes als die, die man in Geographie-Büchern lesen kann. Gefallen hat mir das nie, jetzt aber gefällt mir Geographie.“

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

Tour ohne Text

 

 

 

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert

Kultur versus Natur

Ballarò ist ein Ort der Kultur. Wenn der Urheber dieser Aussage ein wenig ironisch spricht, so liegt das daran: Kultur ist zunächst ein Begriff, der sich dem der Natur entgegenstellt. Alles was in sich und für sich Natur ist, fällt also unter den Begriff Natur, natürlich, alles andere ist demnach natürlich Kultur. Schließlich ist der Ursprung dieses recht vagen Begriffs die Sprache der Römer: cultivare: pflegen. Man kann sich diesen noch immer vagen Begriff gut am Beispiel Siziliens vor Augen führen (siehe unten). Statt eine Region, eine Insel unberührt sich selber zu überlassen, kultiviert der Römer lieber Getreide. Er pflegt seine Kornkammer, muss vorher aber eine kleine feine Rasur vornehmen. Da, wo Bäume stehen, verstehen es wohl nur Naturvölker, sich eine kleine Nische zu suchen, um die Gottheit der Natur, Mutter Erde, ja nicht in Wallung zu bringen. Die Römer haben sich stattdessen kurzerhand eine Gottheit für den Ackerbau entworfen, so sind sie auf der sicheren Seite. Minerva ist nicht nur Schutzherrin für den Ackerbau, sondern auch Schutzherrin für die Künste, die Wissenschaft, das Handwerk und ja auch für den strategischen Krieg. Minerva ist damit auch eine Schutzheilige der Kulturwissenschaftler. Sie zupfen der Minerva permanent am Rock und nerven sie mit banalen, grundsätzlichen Fragen. Manchmal ist das spannend. Zurück zur Kultur: diesem Konzept gegenüber befindet sich ein ebenso vager Begriff: kurz gefaßt spreche ich von einer so genannten Hochkultur. Unter Hochkultur wird im Allgemeinen verstanden, ins Theater, die Oper, Lichtspielhaus oder Fotoausstellung zu gehen. Auch in diesem Sinne ist Ballarò Kultur. Ballarò ist damit gleichzusetzen. Ballarò ist die Reinkultur, auch wenn niemand im Ballarò ins Theater oder sonstwo hingeht, warum auch, sie haben ja die Straße, den Platz, den Markt; das ist das Theater!

Neben diesen beiden Konzepten der Kultur gibt es noch jenes der Kultiviertheit, das aber ist ein anderes Thema. Ab in die Natur, Graziella wartet schon, hinein in den Wald, hinab den Hügel, vor die Kirche von 1150 nach unserer Zeitrechnung und immer schön lächeln. Mit besten Grüßen aus Caltagirone!

 

 

 

 

Posted in Allgemein | Tagged , , | Kommentare deaktiviert

Forza Palermo!!!

Pokalsieger der Herzen! Zwar ist dieser Ausdruck nicht besonders originell, trifft aber den Kern. U.S. Città di Palermo spielt den Gegner an die Wand, erarbeitet sich eine Chance nach der anderen, trifft aber das Tor nicht. Das sind nun mal die Regeln des Fußballs, wenn du das Tor nicht triffst, treffen eben die anderen. Das musste schon Werder Bremen in der Partie bei Inter im Oktober letzten Jahres schmerzlich feststellen. Wenn aber nach dem Schlußpfiff, Samuel Eto’o in die Kurve von Palermo marschiert und applaudiert, dann weiss man; neben dem Spiel gibt es noch etwas wichtigeres: die Emotion, die Freude am guten Spiel. Manchmal, wie in diesem Fall, stehen die Sieger dann nicht auf dem Platz, sondern auf der Tribüne. 35.000 Fans von der Insel haben ein Spektakel dargeboten, dass sogar Eto’o den Hut zog. Auch wenn der reiche Norden den armen Süden wieder besiegt hat: ganz Italien ist beeindruckt von der Atmsophäre, von der Emotionalität des Südens. Wenn Du aber das Tor nicht triffst, dann trifft halt Eto’o, zweimal mitten ins Herz von Palermo. Alles andere ist Beiwerk. Endergebnis: Palermo 1, Inter 3.

Forza Palermo!

Posted in Allgemein | Tagged , | Kommentare deaktiviert