Umwege erweitern die Ortskenntnis.
Kurt Tucholsky (1890–1935)
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Eine Schiffsreise
Ganz behutsam nähert sich die Fähre, auch wenn sie Superfast II heißt, der Anlegestelle. Der Hafenarbeiter gibt Handzeichen und fragt, wo wollt Ihr festmachen? Vorne, hinten oder hier, wo ich schon stehe? Noch nicht angekommen sieht der Reisende die Stadt, den Hafen und kann die Menschen dabei beobachten, wie sie dafür Sorge tragen, dass Du sicher an deinem Ziel ankommst.
Auf dem Weg nach Bari verabschiedet sich der Reisehalbleiter von Kefalonia, nimmt die Fähre von Sami im Inselosten Richtung Patras, dort angekommen, spart er das Geld für ein Taxi oder den Bus und sieht auf diese Weise die Flüchtlinge aus Tunesien oder Schwarzafrika in heruntergekommenen, abgezäunten Parkanlagen kampieren. Ihre Hoffnung: irgendwie sich unter einen LKW zu klemmen und den Weg nach Italien zu bestreiten. Ein weiter Weg: Die Kontrollen sind streng, das Bild erinnert an die damalige innerdeutsche Grenze. Mit Spiegeln schaut man unter die Fahrzeuge. Der Weg nach Italien scheint ausweglos. Hier erkennt der Europäer sein Privileg, jederzeit in alle Länder dieser Welt reisen zu können. Grenzen sind nicht gleich Grenzen.
Bei der Fahrt von Patras nach Bari verabschiedet sich die Insel Kefalonia gleich noch einmal, diesmal spielt die Sonne mit und sorgt für ein romantisches, klassisch, kitschiges Ambiente. Danach ist nur noch Nacht und die See. Ein letzes Mal: Kali nichta und danach: Buon giorno!
Ena Ouzo, paragallo!
Dieses kleine aber feine Gedeck wird es gleich zum Abschluss einer schönen Zeit auf Kefalonia geben. Der Aufenthalt hat einige sehr interessante Erkenntnisse gebracht. Im Basislager Bremen wird das Material gesichtet. Nicht alle Griechen kann man ans Mikrofon locken. Das ist in manchen Fall schade, aber zu respektieren. Wir wollen schließlich keinen Sensationsjournalismus.
Heute gab es bei der Großmutter des Hauses nochmal ganz feine kefalonische Küche: Strapazado, das sind Eier, Feta und Tomaten, einfach und gut.
Anekdote von falschen Freunden: Linguistisch betrachtet sind falsche Freunde Worte, die in zwei unterschiedlichen Sprachen gleich klingen aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Das bekannteste Beispiel ist wohl “Burro”, im Italienischen Butter, im Spanischen Esel. Auf Kefalonia waren einst Italiener, ehe sie in einer Großzahl von der Deutschen Wehrmacht abgeschlachtet wurden. Die Großmutter erzählte, wie ein Italiener (das hat nicht mit dem Kriegsverbrechen zu tun) ans Haus gelaufen kam und rief “Acqua, Acqua”, was im Italienischen Wasser bedeutet. Im Griechischen ist die Bedeutung jedoch eine andere: “Ich habe gehört, ich habe gehört” donnerte er an die Tür. Ja, was hast Du denn gehört? Ja, was denn. Ich habe gehört, flehte er sie an…
Seinen Durst hat er am Ende mit Handzeichen zum Ausdruck gebracht. Der Reisehalbleiter wird ohne jedes Missverständnis bestellen, bei Nationalgetränken ist das schließlich kein Problem, Yamas.
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Tagged Falsche Freunde, Kefalonia, Nationalgetränk, Sprache
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Reisehalbleiter trifft Teilzeitfotografen
Der Rhythmus der Zeit einer Saisonarbeit ist befremdend. Jede Woche kommen und gehen Menschen, die für eine Woche oder zwei ein Urlaubsparadies genossen haben, der Wirt bleibt, der Reisehalbleiter auch, noch muss man sagen. Die Zeit in Lourdata neigt sich dem Ende.
Die vergangene Woche widmete der Reisehalbleiter ganz der Recherche und führte Interviews mit zahlreichen Menschen, bezüglich der Krise, bezüglich des Meeres. Unterstützt wurde er dabei von einer äußert begabten Dolmetscherin, die in alteingesessenen Kafenions aus dem Griechischen ins Deutsche und andersherum übersetzte.
Ein besonderer Dank gilt dem Teilzeitfotografen aus der Schweiz…
Der Grieche und das Meer
Der Reisehalbleiter hat ein erstes Interview zum Thema “Der Grieche und das Meer” geführt. Die erste Überlegung war die Frage: warum denn der Grieche und nicht auch die Griechin? Seine Frau geht gemeinsam mit ihm zur See, als er aber vor vielen Jahren damit begann, – er ist kein Fischerssohn, der Vater arbeitete bei der staatlichen Telefongesellschaft – lernte er das Handwerk bei einem alten Fischer mit Namen Spiros. Dieser war damals empört, dass er eine Frau mitbrachte und sprach wochenlang nicht mehr mit ihm. Die Frau hätte ich also theoretisch auch interviewen können, vielleicht einen separaten Termin mit ihr vereinbaren. Gestern war sie tanzen…
Anderes Thema: Wie fotografiert man das Meer? Oft sieht man auf Motiven vom Meer auch noch anderes: den Horizont, einen Sonnenuntergang, ein Fischerboot, einen Strand, eine Klippe, einen Fisch, einen Wal, einen Delphin, Wolken, Treibgut… Allein das Meer zu fotografieren ist schwierig. Blau! Assoziiert obiges Bild nicht vielleicht besser das Meer?
Bei der Auswahl zweier Bilder mit dem gleichen Motiv hat der schreibende Betrachter (ich) ganz unterschiedliche Bilder im Kopf, das Bild oben und das Bild unten sprechen zwei unterschiedliche Sprachen, verursachen unterschiedliche Verständnisse des Motivs und das bei einen nur kleinen Verschiebung der Perspektive. Vielleicht ist der Reisehalbleiter aber auch nur ein bisschen, nun ja, nicht bei Sinnen?
Nächster Halt: Neuschwanstein!
Die Griechen vertrauen auf deutsche Busse. Fast jeder Bus, der von Argostóli nach Patras oder Athen fährt, ist ein deutsches Modell. Derjenige oder diejenige, die des Deutschen mächtig ist, zeigt sich erstaunt: Da ist nicht nur ein Aufkleber von “Ein Herz für Kinder”, die Information “Notausstieg” oder “Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen”, einfach beeindruckend: Das verstehen die alles?!
Die bildliche Darstellung “Bei Gefahr das Fenster mit dem Hammer einschlagen” kommt ohne Text aus, dennoch oder vielleicht deshalb hat man die kleinen Hammer einfach entfernt. Wobei nicht anzunehmen ist, dass der Grieche oder die Griechin mir nichts, dir nichts, ohne Gefahr einfach mal das Fenster einschlägt. Es könnte aber auch sein, dass der Deutsche ein fieser Exporteur ist. Vielleicht hat er sich gedacht: Die Griechen kümmern sich eh nicht um die Sicherheit. Warum also die kleinen Hammer mitliefern. Die Hammer sind ja schließlich keine Auslaufmodelle, seit Jahren bewährt. Der alte Bus aber, ja, der kann weg, den sollen mal die Griechen kaufen. Wenn die Touristen Neuschwanstein besuchen sollen sie den neuesten Bus, mit der neuesten Hydrauliktechnik oder was auch immer bewundern und bestaunen. Oder sind es vielleicht die Abgasnormen? Die Griechen haben es ja nicht so mit der Umwelt, da können die ruhig den alten nehmen. Was der deutschen Wirtschaft gut tut, ist auch gut für die Luft in ganz Europa.
Deutschland ist Exportweltmeister, besonders hier in Griechenland. Kein Tourist will auf sein Schwarzbrot, die Käsescheiblette – Geschmack unerheblich, Form: Scheibe – verzichten. Also Hand aufs Herz: dem Griechen Busse zu verkaufen, heißt das etwa sie für dumm zu verkaufen? Der Deutsche profitiert von jedem Euro-Land, alter Bus weg, neuer Bus da, Job da, gute Luft auch. In diesem Sinne: Kauft mehr Ouzo!
Sonnenliegen-Sundowner-Blues
Die Saison neigt sich dem Ende, die Sonnenliegen werden aufgebahrt, die Schirme eingeholt. Nur noch wenige treibt es Anfang Oktober auf die ionischen Inseln. Glücklich schätzen kann sich wer von Reiseveranstaltern noch die letzten Urlauber in die Zimmer gespült bekommt. Auch wenn die Veranstalter erst zum Jahresende zahlen, zumindest kommt etwas Leben in die Bude und inklusive ist schließlich nur das Frühstück. Die Taverne wird heute vielleicht mal wieder brummen. Das Kartoffelpüree mit sehr viel Knoblauch ist schon angesetzt und verströmt einen Duft, der seinesgleichen sucht.
Wie die Hotels wirtschaften, die Vollpension anbieten und von den Reiseveranstaltern erst zum Jahresende ausbezahlt werden, ist mir schleierhaft.
Die Bestellung eines Sundowners wird von Tag zu Tag komplizierter. Da die wenig verbliebene Arbeit in den Bars auch an Freunde und Bekannte delegiert wird, kommt es vor, dass man ein großes Fragezeichen erntet, sobald man aus Sehnsucht nach der Karibik einen Piña Colada bestellt – in der “glücklichen Stunde” wohlgemerkt. Dann wohl doch besser einen Ouzo oder ein Mythos, was keine Legende ist, sondern ein griechisches Bier. Yamas, ein Wohl auf die Sonnenliegen, die nun gehen.
Tomatengrenze
Fernand Braudel, der französische Historiker, bekannt vornehmlich durch sein Konzept der Longue durée, schreibt über den Mittelmeerraum, er reiche im Norden bis zu der sogenannten Olivenbaumgrenze. Im Süden ist die Eingrenzung etwas schwieriger. Auf Kephallonia wachsen unendlich viele Olivenbäume, das soll an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren. Konzentrieren wir uns vielmehr auf die Tomate, auch wenn die erst seit der “Entdeckung” Amerikas bekannt ist.
Ein Gespräch mit Makis, dem Experten für die richtige Handlung zum richtigen Zeitpunkt, so beispielsweise die Anschaffung eines Kalbs, welches kein grünes Gras kennt und daher auch keine Fünfsterne-Luxus-Ranch benötigt, dieses Gespräch ergab die Überlegung, wo denn die “Tomatengrenze” verläuft. These: mitten durch Griechenland. Mit Tomatengrenze ist nicht gemeint, dass irgendwo Tomaten welchen Geschmacks auch immer wachsen, sondern eine Kultur, die das Einmachen von Tomaten kennt: die Konzentration der Tomate sozusagen.
Aus Süditalien kennt jeder das Bild von Großfamilien, die den Spätsommer damit zubringen, unendlich viele Tomaten einzumachen, an der Sonne zu trocknen oder in anderer Form zu konservieren. Auf den Kykladen, also den östlichen Inseln Griechenlands, ist das nicht üblich – Osten heißt im Griechischen interessanterweise Anatoli, da liegt Anatolien nicht fern und gibt es dort die Tomaten-Kultur, wie sie hier gemeint ist?
Auf Naxos gibt es den Greek Salad, ja, und vielleicht noch jene Hackbällchen an Tomate, aber dort jemanden zu finden, der in die Küche stürmt, sobald sie geschlossen ist und dort Tomaten einkocht, schwer vorstellbar. Ob dieses Tomaten-Gen nun die Italiener brachten? Möglich. Die Großmutter des Hauses ist sogar in der Lage Spaghetti al dente zu kochen, sie hat schließlich die italienische Besatzung miterlebt. In ihrem Olivenbaum soll sogar noch ein italienisches Maschinengewehr versteckt sein, denn die Griechen haben sich nach dem Drama des deutschen Kriegsverbrechen auf Kaphallonia mit den wenigen italienischen Überlebten verbündet. Also: Vorsicht beim Baumschnitt, das kann gefährlich werden. Rot ist schließlich nicht nur die Tomate.








