Wie man in den Wald hineinruft…

Ich freue mich über jede Form von Rückmeldung zu dem, was ich tue, was ich schreibe, was  ich nicht schreibe. Es macht mich glücklich, wenn Freunde und Verwandte diese Seiten loben oder mir Korrekturen vorschlagen, sei es orthographischer oder sei es stilistischer Natur. Ich bin zufrieden, wenn ich nicht bloß für mich fotografiere, kleine Geschichten erzähle, Tonaufnahmen mache oder in Zukunft Radiobeiträge produziere, sondern dies für ein Publikum tue. Ich bin sicherlich überzeugt von dem, was ich tue, wäre ja dumm, wenn nicht, doch ist es wie die Arbeit beim Radio: du weißt nie, wer dir zuhört und was dieser oder diese darüber denkt. Daher freute es mich umso mehr, wenn ich auf die Einrichtung eines so genannten Like-Buttons in den sozialen Netzwerken verzichten kann. Stattdessen mache ich folgenden Vorschlag. Wer mir eine Mail an jgh@reisehalbleiter.com sendet, in dieser Verbesserungsvorschläge, Anmerkungen, Lob oder Kritik formuliert, erhält als Antwort eine Postkarte mit einer, sofern ich eine finde, schönen Briefmarke und zwar per Luftpost!

In diesem Sinne warte ich geduldig, wie es herausschallt und spitze meinen Bleistift.

Ergebenst, der Reisehalbleiter!

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Vi presento: Pippo „Seilbahn“ Caruso

Für ein besseres Zeitmanagement habe ich mir ein Zweitfahrrad zugelegt. Tatsächlich hat es mir Johanna, eine deutsche Erasmus-Philosophie-Studentin aus Berlin geschenkt (sie musste zurück), nur: die Bremsen funktionierten nicht. Ich habe also dieses Fahrrad, auch der Nähe halber, zu Massimo Cannatella gebracht, es herrichten lassen und mir ein Schloss gekauft, welches eher Graziella würdig wäre. Da diese aber nicht in den Strassen von Palermo herumlungert, bekommt Pippo das bessere Schloss. Es hat fast mehr gekostet als die Reparaturen des Fahrrads. Statt also immer wieder die Via Porta di Castro auf- und abzuwandern, den Autos auszuweichen und angehupt zu werden, habe ich jetzt die Seilbahn eingerichtet. Ich schwinge mich auf meinen Drahtesel und bin ganz flott in meinem „Feld“. Der Weg ist aber nicht der gleiche. Statt der verkehrsunberuhigten Via Porta di Castro wähle ich den Weg von Claudia: Via A. Mongitore. Einmal hinters Haus und schwups bergab zum Ballarò und juhu ganz schnell zurück, um ja keine Zeit zu verlieren.

Am Morgen habe ich die wohl wundervollsten O-Töne für einen Radiobeitrag aufgenommen: das wird Musik (siehe Foto, nicht leicht zu erraten, was das ist). Wenn daraus kein guter Radiobeitrag wird! Zu dem Thema demnächst auf der noch nicht vollständig eingerichteten Audio-Seite mehr.

Der Vormittag gehörte den Klangstäben, der Mittag der täglichen Pflege der Terrasse, welch’ Wonne, eine Dachterrasse zu fegen! Der Nachmittag hingegen gehörte der Postproduktion, nicht nur des heutigen Beitrags, sondern auch der vorherigen. Ich benötigte schließlich einen vernünftigen Arbeitsplatz. Dennoch fand sich die Zeit, die Terrasse so aufzurüsten, damit sie in Palermo auch als solche bezeichnet werden kann: Un terrazzo senza basilico, non è terrazzo, wie eine Nachbarin sagte, eine Dachterrasse ohne Basilikum ist keine Dachterrasse!

Auf meinem ersten Ausflug mit Pippo „Seilbahn“ Caruso fand ich keine Bekannten in der Bar Messina. So wich ich also aus und traf Giuseppe, der auch mal in der Bar Messina gearbeitet hat, jetzt aber gegenüber aushilft. Antonio hingegen ist Antiquitätenhändler und erwartet mich am Sonntag auf dem Flohmarkt, ein großer Anhänger von Vasco Rossi, mit Pferdeschwanz!

PS. Auf dem Foto macht Pippo eine ganz gute Figur. Ich bin erstaunt, er hat aber altersbedingte Mängel...

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Verräterisches Moleskine

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Santa Chiara. Zunächst begutachtete ich allerdings die Dächer von Palermo, genoss einen Caffè di Palermo und knabberte an meinem Brötchen. Beim Verlassen des Hauses lernte ich meine Nachbarin Claudia kennen und unternahm mit ihr auch gleich einen Ausflug auf den Markt. Am Fischstand bestellte sie ausgenommene Sardinen. Als auch ich meinen Finger hob, schlug sie vor, ihre Portion zu teilen. So machte ich noch meine klassischen Besuche in der Bar Messina und empfing an ihrer Wohnungstür nicht etwa einen Teil der Fische, sondern gleich eine zubereitete Pastasauce, mit Fenchel. Sie hat sich kulinarisch schon angepasst, kommt aus Mailand und lebt seit einigen Jahren in Palermo. Ihre Mutter ist Deutsche und stammt aus Köln. Ein Freund von ihr ist Reisejournalist, sie hat sich mal als Stadtführerin verdingt. Was sie derzeit tut? Meine Vermieterin sagt, sie würde massieren. Ich werde berichten.

Heute stand also meine ehrenamtliche Arbeit auf dem Plan. Es hätte ein entspannter Nachmittag werden können: die Hausaufgaben waren heute ein Klacks, doch mit nachlassender Konzentration kann auch das schief gehen. Egal, ob ich mit ihr prähistorische Kulturen oder die italienische Grammatik studiere, nach circa einer Stunde hat sie keinen Antrieb mehr und macht dicht, dann toben da noch all die anderen herum und ich bin ganz fertig. Konzentration ist allerdings nicht nur beim Studium von Bedeutung, sondern auch beim Spiel. In der Pause zwischen dem Nachhilfeunterricht und der Ausländerabendschule schaute ich der Senegal-Fraktion beim Dame-Spiel zu. In einem Pulk von acht bis zehn Personen sitzen zwei Spieler mit dem großen Brett auf ihren Knien, klopfen, schieben und tratschen. Einer der Spieler war dermaßen abgelenkt oder eingeschläfert, dass er einen fatalen Fehler beging: Die Dame des Gegners hüpfte drei- viermal vor seinen Augen herum, verdattertes Gesicht und schwups: Perdu Fratello! Das Gelächter war groß, der Spott noch viel größer, dabei wurde laut und herzlich gelacht. Verlieren kann auch Freude bereiten. Zurück zum Unterricht: seit zwei Wochen besuche ich nur noch die Kurse von Maria. Sie ist sehr humorvoll, lacht permanent, alle lachen. Die Studenten sprechen bereits gutes bis sehr gutes Italienisch. Die Runde macht unglaublich viel Spaß. Die Attraktion heute: treffen drei pakistanische Gigolos auf zwei ukrainische Schönheiten, die eine blond, die andere hat pechschwarzes Haar, Irene und Ludmilla. Flirtfaktor maximal! Auf dem Stundenplan standen die Hilfsverben: Irene hat schöne Augen, Ludmilla wunderschönes Haar. Sie sind Frauen, sie sind Ukrainerinnen. Außerdem in der Runde Stephane aus Mauritius. Das wird immer bunter in diesem Kreis. Luca hat kein Heft sondern ein Notizbuch, er ist nicht hier um zu Italienisch zu studieren, sondern um uns zu studieren. Wie unangenehm direkt sich Maria ausdrückte, ich errötete souverän. Doch auch ich habe heute eine neue Vokabel gelernt: Pizzicotto, der feine meist weibliche Kniff in den Arm. Gleich in mein Moleskine notiert, verräterisch, aber praktisch.

 

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Reisejournalisten aus Finnland

Beim Verzehr eines Tellers Spaghetti al nero di seppia lernte ich zwei finnische Reisejournalisten kennen. Sie waren arbeitsteilig unterwegs. Der eine machte Photos, ohne zu fragen und ohne mit der Wimper zu zucken. Er lebt gefährlich in dieser Stadt, ist aber glücklicherweise eine Art Kampfzwerg. Er nutzte dabei das Masterweitwinkelobjektiv, denn er fotografierte seine Spaghetti und wollte den ganzen Teller draufhaben. Der andere war der Schreibende. Nach der Frage, ob Salvo auch mittags geöffnet habe, denn Ville Palonen, der Fotograf, wollte seine schwarzen Spaghetti noch mal bei Tageslicht fotografieren, entwickelte sich ein sehr netter Abend. Der Schreiber heißt Ilkka Karisto und erzählte mir sofort, da er vier Monate in Berlin lebte: Ja, ich weiß, das ist ein Frauenname, aber ich schreibe mich mit zwei K! Ich zeigte den beiden Jungs die einschlägigen Adressen, denn im Prinzip kannten sie nichts, schreiben und fotografieren für eine Zeitschrift, die sich Mondo nennt, haben aber nur sechs Tage Zeit, Sizilien zu erkunden. Da nehme ich mir etwas mehr Zeit, Reisehalbleiteranspruch! Ich zahlte mein Abendmahl, zückte die Kreditkarte: No, funktioniert nicht. Auf diese Weise sparte ich fünf Euro, denn ich hatte nur zwanzig bei mir und führte die Jungs in die Taverna Azzurra.

Heute stand ich auf meiner neuen Dachterrasse und mir kam nichts Besseres in den Sinn, als mich als Gärtner und Putzkraft zu verdingen. Ich beschnitt Sträucher, entfernte Laub und schrubbte das Deck. Nach dieser harten Arbeit beschloss ich, mir zu Mittag ein Paar Tintenfische zu gönnen. Ich grüßte einen polnischen Souvenirverkäufer, der allerhand im Angebot hatte. Wie leicht es doch ist, ein Ehrenkreuz zu erhalten, wie damals. Eher zufällig landete ich bei Zia Pia nahe der Vucciria und genoss zunächst eine selbst zusammengestellte Auswahl an Vorspeisen und bekam dann meine Tintenfische. Ich machte noch einige Besorgungen. Jedes Mal, wenn man umzieht, muss man sich irgendwelche Dinge anschaffen, die notwendig sind, eine Klemmlampe für die Küche zum Beispiel. In der Via Porta di Castro schätzt man indirektes Licht, der Koch hingegen benötigt direktes Licht. Spaghetti al tonno warten, Buon Appetito!

 

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Parole, parole, parole

So spricht der Italiener, wenn er die zu realisierenden Dinge lediglich ausspricht, Worte, Worte, Worte. Da ich mich in diesem Moment gegenüber der Trattoria Torremuzza befinde (ich bin also in der Trattoria da Salvo und erwarte einen Teller Spaghetti al nero di seppia), schreibe ich diesen Text, fern meines derzeitigen Schlaf- und Arbeitsplatzes, Via Porta di Castro. Aspettando (wartend) sortiere ich meine Schlüssel: Einen für Graziella, einen für meinen großen Topf bei Marta, einen für mein heutiges Schlafgemach, fünf Wochen! Maximale Aufenthaltszeit an einem Ort bisher! Statt also Bilder hoch zuladen, gibt es heute nur Text. Egal, was ich tue, ich treffe immer wieder interessante Menschen. Heute: Daniele und Domenico. Ich befragte sie lediglich bezüglich einer Nachricht meines Mobilfunkanbieters und schon habe ich für Donnerstagabend eine Verabredung, Jazzkonzert! Ich bin gespannt, was die beiden spielen, sie nennen sich die Freien Wilden.
Am Morgen war ich in der Bibliothek der Anthropologie: Es gab zwei Menschen dort. Einen, der mich gar nicht gehen lassen wollte und einen, der vor einem Telefon saß, welches niemals klingelt. Wie man so den Tag überstehen kann, ist mir ein Rätsel! Fotos morgen wieder! Über das Treffen mit den Finnen werde ich morgen berichten.

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Palerminale: Einmal Steg, hin und zurück

Am frühen Morgen beobachtete ich eine Gruppe von österreichischen Touristen. Ich war mal wieder auf dem Weg zum Flohmarkt, ohne Erfolg. Die Reisegruppe hielt vor dem Palast Conte Federico. Drinnen, sagte die Führerin, lebe eine Österreicherin, die prompt ihre Balkontür öffnete und fröhlich grüßte. Man berichtete, sie sei ein Nachfahre von Friedrich II. Werde ich prüfen, wenn ich da mal klopfe. Auf dem Foto unten ist die nicht gerade prachtvolle Fassade gut zu sehen. Eine Frau aus der Gruppe fragte also mit dem mir inzwischen bekannten Wiener Schmäh: Schaut’s drinnen besser aus? Ich kicherte und ging meines Weges. Während die Touristen sich am Sonntag Fassaden, Kirchen oder auch den Ballarò anschauen, begibt sich der Palermitaner dorthin, wo ich ihn vermutete. Als ich vor einigen Jahren in Palermo an einem Sonntag ankam, schwor ich mir, nie wieder an einem Sonntag wo auch immer anzukommen. Ich fragte seinerzeit einen der wenigen Daheimgebliebenen, wo denn die ganzen Menschen seien. Er antwortete trocken: Mondello. Das kenne ich ja inzwischen, aber an einem Sonntag war ich bis dato noch nicht dort. Ich griff also zu meinem Freizeitgefährt, unternahm die übliche Strecke und vergnügte mich dabei königlich. Unten angekommen, traf ich den eloquenten Vittorio. Ich bewunderte seinen Porsche und befand mich plötzlich in einem sehr interessanten Gespräch. Abgesehen von seinem Diskurs zu dem ältesten Porschemodel, begutachtete er mein nicht ganz so historisches Fahrrad und meinte, es müsse sich um eine Bianchi, ca. fünfunddreißig Jahre alt handeln. Ich sagte, schön, da habe ich wohl wirklich ein gutes Geschäft gemacht. Er erzählte gleich von seinem Sohn, der in Venetien als Arzt arbeitet, während er sich als Advokat vorstellte. Hierin sah er auch den Grund, warum er soviel sprach. Victor, wie er sich auch nannte, gehört wohl dem Geldadel an. Ich begab mich an den Strand.

Wo noch vor drei Wochen einige wenige Menschen den Küstenstreifen zierten und nur ein Verrückter ein Bad nahm, sah man heute nur noch Menschenmassen und gar nicht wenige, die sich in die Fluten stürzten. Auf dem Hauptplatz wurden wilde Luftballonphantasien ausgespielt, die mobilen Händler an die Straße gedrängt, die Stamm-Bar war kaum zu betreten. Es gab nicht einen Ort der Ruhe. Als ich mich auf den Steg flüchten wollte, kamen mir Ponys entgegen. Wer mit allen beiden den fünfzig Meter langen Steg einmal rauf und runter galoppiert, spart einen Euro, statt zweimal drei, nur einmal fünf, viel Spaß! Ich griff Graziella und blies zum Rückzug. Am Foro Italico angekommen fiel ich fast vorne über, das gleiche Spektakel auch im Zentrum der Stadt! Mondello ist wohl zu klein geworden. Der Ballonverkäufer blieb ganz ruhig, mit dem Telefon in der Hand passiert Dir nichts! Stress kann man sich nur machen.

 

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Wo ist das Feld?

Diese Frage stellt sich nicht nur der American Football Spieler jeden Samstag in Palermo, sondern auch so mancher Anthropologe. Nach einem kleinen spektakulär unspektakulären Einkauf auf dem Ballarò war ich im Besitz von wunderschönen Orangen. Ich sagte dem Verkäufer, dass ich zunächst die Pixelzahl prüfen müsse, bevor ich einen Einkauf tätigen könne. Gute Auflösung ist gleichbedeutend mit gutem Geschmack! Beim Einkauf der Tomaten fragte ich mich, ob der Sizilianer Zeitungen ausschließlich druckt, um diese drei Tage später mit Gemüse zu befüllen oder ob sie auch gelesen werden.

Nach dem Mittagessen schnappte ich mir die flotte Graziella und schickte sie in den Osten. Wir fühlten uns nicht sonderlich wohl in diesem Teil der Stadt, bis wir die Gelateria Azzurra entdeckten und fröhlich Eissorten wie Cubanera zu uns nahmen, eine ganz tiefschwarze Schokoladensorte, fein. Zurück im Zentrum war ich mir nicht mehr ganz sicher, wo ich hingehörte und was mein Ziel in Palermo sei. Ich begab mich in die Bar Messina und alle Zweifel waren wie weggeblasen. Ich traf Kerim, der mir sofort Johnny Walker, richtig Volker aus Bremerhaven, vorstellte. Er war allerdings in Eile, da er als Saxophonist einen Auftritt vor den Toren der Stadt hatte. Er bat mich also, meine Nummer der patenten Wirtin zuzustecken, was ich aber aufgrund eines wilden Streits zwischen ebendieser, Maria, und ihrem Hilfsassistenten vergessen habe. Der Streit hatte zur Grundlage die Annahme, dass er wohl bei der Zahlung der Stromrechnung vier Euro unterschlagen hatte: Tumult in der Bar Messina. Da mich aber Kerim darüber aufklärte, dass jener zwar dumm, aber eine gute Seele sei, habe ich die Schläge, die Maria austeilte, nicht fehl interpretiert. Das Feld misst hundertzwanzig mal dreiundfünfzig Yards, die Bar Messina fünf mal drei Meter, die Eisdiele schließt um zwei Uhr nachts, das ist alles ein bisschen anders hier.

 

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Rhythmuswechsel: Fratelli Testaverde

Als Reisehalbleiter hat man nicht nur die Aufgabe, Reisehalbleiterfotos zu schießen. Nein, wichtig ist es auch, immer wieder neue, alternative Adressen zum Rosa Nero zu testen, vor allem dann, wenn man sich nicht in Palermo befindet, sondern in der palermitanischen Karibik, dem Badeparadies. Ich fragte also mir vernünftig erscheinende Menschen, wo in Mondello ein Teller Pasta für unter fünf Euro zu haben ist. Mickey il Guru empfahl mir, am Ortseingang Panelle zu essen. Ich erwiderte, dass ich diese Kichererbsenspezialität bevorzugt im Ballarò zu mir nehme. Er hat mir nicht widersprochen. Die Mädels, Sara, Anna und Veronica, die sich in einem fröhlichen Gespräch über Lebensweisheiten mit dem Guru befanden, griffen ein und gaben mir nach kurzer Überlegung, den entscheidenden Tipp: Testaverde, der grüne Kopf, das konnte ja nicht schlecht sein. Ich begab mich etwa neunhundert Meter in Richtung des westlichen Ortsausgangs und fand die Grünköpfe ohne weiteres. Dort war der Wahnsinn los, nach kurzem Warten bekam ich einen Tisch und bestellte einen Teller Pasta colle sarde, ein Glas Weißwein und zahlte schlappe fünf Euro. Ich gesellte mich erneut zu meinen Informanten, erfuhr, dass der Onkel von Sarah und Anna (Cousinen) so was wie Radioanthropologe sei und empfahl mich bei dem nächsten Zusammentreffen einen Caffè zu spendieren. Der Guru hingegen wünscht heute gegen sieben einen Marsala in der Taverna Azzurra. Da die entscheidende Information nicht von ihm kam, werde ich den Marsala bei meiner ersten Mickey-Il-Guru-Yoga-Stunde ihm in Rechnung stellen…

 

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Ausflugsziel Terme Segestane

Die Wassertemperatur in Mondello liegt derzeit noch bei 14°C. Warum also nicht ein kleines Bad in einem der vielen Thermalbäder in Sizilien nehmen? Die Nähe zu Magma kann durchaus angenehm sein. Statt ein Bad bei gefühlt äußerst kalten Meereswassertemperaturen zu machen, zog es uns an den Fiume Caldo, den heißen Fluss, tatsächlich ist der Fluss etwas wärmer als der Fiume Freddo, zu dem er sich entwickelt. Das liegt aber nicht daran, dass das Flusswasser selber warm ist, sondern daran, dass sich aus den Terme Segestane immer wieder warmes schwefelhaltiges Wasser in den Fluss ergießt. Nach dem Bad in einer Art natürlichem Planschbecken, es roch auch so, hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, meinen Begleiter und Fahrer Fabrizio zum Mittagessen auszuführen, er zahlte schließlich das Benzin. Wir einigten uns auf einen Teller Pasta und ein Glas Weißwein. Tatsächlich nahmen wir einen Meeresfrüchtesalat, zweimal den Risotto ai frutti di mare und einmal die Meeresfrüchte aus der Fritte. Alles war ganz vorzüglich, vor allem die Sonne, die mir auf mein Haupt knallte. Wir führten mit den Wirten Susanna und Maria noch einige Nebensaison-Gespräche, sie tranken ihr Astra, während ich via Youtube etwas St. Pauli-Atmosphäre in den wundervollen Innenhof von Scoppello importierte, skurril, solch Globalisierungsphänomene. Nach einem Espresso und dem verpassten Erfrischungsbad im Meer, bogen wir rechts ab, um den Reiseklassiker, den Sonnenuntergang am Meer zu bewundern: Der tiefrote Ball, der in den Fluten des Meeres abtaucht. Der Reisehalbleiter strapaziert die Phantasie und Erfahrungswerte. Abbild auf Wunsch: jgh@reisehalbleiter.com!

 

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Einen Tag als Pressefotograf

Ich hatte gestern die ehrenvolle Aufgabe, als Pressefotograf entsandt worden zu sein, das Tagesgeschehen rief! Während sich Marta in Caltagirone aufhielt, habe ich mich auf ihren Wunsch hin zur Buchhandlung Mondadori aufgemacht, um dort eventuelle Ausschreitungen fotografisch festzuhalten, denn sie sollte einen Artikel zu diesem Ereignis verfassen. Ich erwartete eine Gruppe von Linksextremen und vielleicht eine kleine Gruppe von Rechtsextremen, was geschah übertraf bei weitem meine Erwartungen: E tutto questo per un libro! Und all das wegen eines Buches. Domenico Di Tullio, der offensichtlich neofaschistische Autor des Buches Nessun Dolore, Kein Schmerz, präsentierte nicht nur sich und das Buch, sondern auch einen Vertreter des Themas, dem neofaschistischen Phänomen Casa Pound, Gianluca Iannone, tatsächlich ist der Autor der Gründer von Casa Pound, wie mir gerade Marta zurief. Die Casa Pound ist eine Organisation von Neofaschisten, die in Rom, in einem multikulturellen Viertel, ein Haus besetzt hält, dort zusammenkommt und organisiert. Der Name beruft sich auf Ezra Pound, einen amerikanischen Poeten und Fürsprecher Mussolinis, der sich auch nach dem zweiten Weltkrieg nicht vom Faschismus distanziert hat und die Meinung vertrat, der amerikanische Kapitalismus, dessen Wurzeln er „dem Juden“ zusprach, sei verantwortlich für den zweiten Weltkrieg. Er wurde neunzehnhundertfünfundvierzig in Gefangenschaft genommen und erst durch Fürsprache eines gewissen Ernest Hemingway freigelassen.

Während ich mich vor dem Verlagsbuchhandel Mondadori, der von der Linken boykottiert wird, da der Verlag sich in den Händen Berlusconis befindet, positionierte, sprach ich einen Ordnungshüter an, der mich über die Situation aufklärte: Qui si trova l’estrema destra, lì si trova l’estrema sinistra. Hier die Rechtsextremen, dort die Linksextremen. E Lei invece? Und Sie, wo befinden Sie sich. In mezzo! Dazwischen! Tatsächlich hatten sie die Aufgabe, die Rechtsextremen vor Übergriffen der Linksextremen zu schützen. Es begann ganz banal, bis nach einem Steinwurf von Seiten der Linken, so ich die Situation richtig einschätzte, Tränengaspatronen in den Reihen der Linken landeten. Daraufhin attackierte die Linke den Schutzschild, reagierten die Ordnungshüter, Barrikaden wurden errichtet. Plötzlich befand sich ein Feuerwehrfahrzeug in mitten der Linken und diese skandierten im Rhythmus der White Stripes, Accettiamo solo i pompieri. Wir akzeptieren ausschließlich die Feuerwehr. Der Pressefotograf verwandelte sich zurück in den Reisehalbleiter, hatte genug vom Tagesgeschehen. Dann kam die Rettung und ich konnte mich anderen Dingen zuwenden.

 

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